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Guten Tag, oder eher Blubbblubb blubber Blubb!

Da ich die letzten Tage hauptsächlich unter Wasser verbracht habe, fällt mir das Kommunizieren oberhalb der Wasseroberfläche eher schwer - aber alles der Reihe nach:

Meine letzte Mail kam ja aus Brisbane, das ich in Richtung Cairns mit dem Flieger verlassen habe. Der Flug war herrlich, denn er führte genau die Küste entlang nach Norden und bot einen schönen Blick unter anderem auf Fraser Island, auf der ich die Tage zuvor verbracht habe.

In Cairns hab ich erst einmal einen "Orga"-Tag eingelegt, Hostel gesucht, gewaschen usw. UND einen Tauchkurs für den nächsten Tag gebucht.

Somit habe ich dann die nächsten 2 Tage in einem 4 Meter tiefen Pool mit einer Mischung aus Salzwasser und Chlor sowie einem Theorieraum verbracht. Und hab zum ersten Mal unter Wasser atmen können - ist ja auch klar, bin ja Wassermann.

Abends gab's Cairns Nightlife zusammen mit ein paar Leuten, die ich im Hostel getroffen habe, aber auch hier wird ein Club/Pub nach ca. 23:30 ungemütlich, weil nur (B)besoffene (Engländer) herumhängen.

Nach den zwei Übungstagen im Pool ging es dann erst richtig los mit dem Tauchen, es lagen 4 Tage im Great Barrier Reef an Bord der "Kangaroo Explorer", dem Tauchboot (einem umgebauten Luxus-Cruiser) vor mir.





Mein Tauchlehrer war wirklich klasse und es war ein sicheres Gefühl, zum ersten Mal 8 Meter unter der Wasseroberfläche zu schweben und dabei die buntesten Fische und Korallen zu bestaunen. Bei den nächsten Tauchgängen ging es immer weiter runter bzw. wir hatten auch spezielle Tauchgänge zu absolvieren, darunter Navigation, Search & Recovery (Such & Wiederfind), und ein "Tieftauchgang", der leider nur bis 22,7 Meter runterging und die Wirkung von einer Überdosis Stickstoff ja erst so ab 25 - 30 einsetzt.

Die Stimmung an Bord war klasse, sehr gutes Essen und die Fahrten von einem Riff zum anderen zweimal am Tag waren auch sehr interessant und manchmal SEHR schwankend. Hätte nicht gedacht, dass ein 30m-Katamaran so wackeln kann ;-)

Der Tagesablauf war recht anspruchsvoll und nicht unbedingt wie daheim: Aufstehen um 5:30 (und das mir...), Morning Dive um 6, Frühstück, zweiter Tauchgang um 8 und dann die Auswahl, welche Tauchgänge noch kommen soll. Vier am Tag, um 11/13/16 oder der Nachttauchgang um 19 Uhr und wenn man immer noch nicht genug hat, kann man zwischendurch einfach am Riff schnorcheln gehen.



In den vier Tagen an Bord der KE hab ich dann insgesamt 2 Nachttauchgaenge und 11 "normale" gemacht, darunter 2 mit Unterwasserkamera und ich hoffe, dass die Bilder auch was geworden sind bzw. was werden, wenn ich sie dann daheim entwickeln lasse.

Nach diesem Tauchabenteuer bin ich nun ein zertifizierter "Advanced Operwater Diver" und darf runter bis 30 Meter (ja, Mama!!!) aber keinen Zentimeter weiter. Aber das ist auch genug, denn einer der besten Tauchplätze der Welt soll das Wrack der S. S. Yongala sein, südlich von Cairns bei Townsville, und die Tiefe ist maximal 30m.

Auf dem Boot hab ich ein dänisches Pärchen kennengelernt, die mit mir zusammen im Kurs waren und mit denen ich dann auch einen 3-Tages-Trip zum Cape Tribulation gemacht habe.





Das Besondere an diesem Cape ist, dass hier tropischer Regenwald bis an den Strand reicht. Wer mich kennt, weiss, dass Schlaraffenland für mich dort sein könnte, wo einem die Kokosnüsse direkt auf den Kopf fallen - dort ist es so.

Das Wetter war zwar nicht so besonders, Sonnenschein im Wechsel mit tropischem Regen, aber frische Kokosnüsse fast vom Baum bzw. eingesammelt am Strand sind was leckeres!!!!!



Auf den kürzeren Walks durch den Regenwald und ein paar Creeks (Bachläufe auf dem Weg zu Meer) haben wir dann zwar keine Krokodile gesehen, aber vielleicht sind wir auch gerade deswegen ja nicht gefressen worden. Und wenn doch eines gekommen wäre, hätten wir uns wie Tarzan davongemacht



Bevor ich die beiden Dänen dann in Cairns abgesetzt habe, sind wir noch ein paar Wasserfälle anschauen gegangen, die westlich von Cairns im Hinterland liegen.



Danach bin bin ich dann weiter nach Townsville, 4,5 h Fahrt mit einem Toyota Lancer bei Speed Limit 100. Am Sonntag hab ich dann gleich einen Tagestrip zum Wrack für Montag gebucht und befand mich somit am nächsten Morgen um 6:10 am Einsammelplatz um zu erfahren, dass das Boot einen Motorschaden hat und nicht raus kann. Also gut, wieder ab ins Bett und den Tag verschlafen, denn Townsville in der Nebensaison ist so spannend wie eine Webcam von der Baustelle im Erin-Park in Castrop-Rauxel.

Mit ein paar Leuten aus dem Hostel wollt ich mir dann den Sonnenuntergang über Townsville vom ca. 250m hohen "Castle Hill" anschauen, aber es war eher ein Untergang - keine Sonne und einfach unhübsch.



Egal, der zweite Versuch für den Tauchtrip hat alles aufgewogen. Die Fahrt mit dem Boot dauerte 3 h und dann ging's runter - und es war unbeschreiblich!!!!!! Sichtweite unter Wasser 15-20 Meter, die buntesten Farben, unzählige Fischschwärme, von Korallen grotesk überwucherte Teile des 100m langen Schiffswracks, Schildkröten, 2-2,5 Meter lange Riesenfische ("Wally" genannt, was auch immer ein Deutscher dazu sagen würde!?), eine Mauer aus Fischen, Seeschlangen, eine Moräne - kurzum das Bunteste, was die Evolution zu bieten hat.

Und weil es so schön war, hab ich den gleichen Trip am nächsten Tag nochmal gemacht, bei ruhigerer See aber stärkerer Strömung unter Wasser, ebenfalls ein Abenteuer. Nach nun 4 Tauchgängen am Wrack bei besten Bedingungen kann ich meinen "Tauchurlaub" jetzt zufrieden abschließen, werde heute zurück nach Cairns fahren, morgen nach Sydney fliegen und dann dort mein letztes Wochenende in Australien verbringen.

Nach den letzten durchaus turbulenten und ereignisreichen 3 Monaten kann ich mir allerdings irgendwie nicht vorstellen, dass ich in ein paar Tagen wieder in den deutschen Alltag entlassen werde, vor allem nachdem sich daheim einiges geändert hat und ich auf meinem Trip doch nicht wirklich die Erkenntnis bekommen habe, was ich in Zukunft machen werde - aber es war jede Minute, jede Erfahrung, jedes Gespräch mit Leuten aus aller Welt und hoffentlich auch jeden verprassten Neuseeland- oder Australia-Dollar wert. Andererseits werde ich wohl in den nächsten Tagen in Sydney nicht mehr viel machen, denn ich glaube, ich bin nach dem Tauchhighlight dabei, so langsam "mental" heimzukehren und freue mich auch wieder darauf, Euch wiederzusehen, Apfelsaftschorle zu trinken, RICHTIGES BROT zu essen (und dabei kauen zu müssen), einfache und praktische Wasserhähne zu bedienen, einen großen Schrank mit mehr Klamotten zu haben, auf der right (rechts/richtig) side of the road zu fahren, nicht ständig alle Wertsachen am Mann tragen zu müssen und ca 30 Kilo herumzuschleppen. Und vielleicht bekomm ich von Mama irgendwann Linsen mit Spätzle und Saitenwürschtle (bin zwar kein Klischee-Schwabe, aber lecker ist es trotzdem).

Ich danke Euch auch für die weitgehend lieben Mails, die mir aber trotzdem auch oftmals recht rüde verboten haben, meinen Rückflug nach hinten zu verschieben. Und vielen Dank auch für die verfrühten "Willkommen daheim"-Mails, aber es wird nicht vor dem 11.06.2003 um 5 Uhr 30 (QF 5 nach FRAnkfurt) soweit sein, dass ich wieder europäisches Festland unter den Füßen haben werde.

Dies wird wohl der letzte Newsletter der nz.beididi.de-Serie sein, ich hoffe es war unterhaltsam und Ihr ward wenigstens zwischendurch mal ein bisschen neidisch - oder habt es mir gegönnt. Mehr Bilder gibt's sicher demnächst in irgendeiner multimedialen Form zu sehen, vielleicht mach ich ja einen Mit-lecker-Essen-die-Leute-bei-Laune-halt-und-dabei-mit-Digital-Dias-langweil-Abend, mal schauen.

Somit sage ich SeeYou@nz.beididi.de (oder in Dahn vom 22.8.-24.8.)

Euer

Peterdidi



PS: Und schon mal kollektiv "Herzlichen Glückwunsch" an die vielen, die in den letzten Tagen ihr Wiegenfest feiern durften. Individualmails kommen noch, aber wohl verspätet...

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